Gedanken des Präsidenten:


Zahlen und Bilder


Die Asylstatistik zeigt so wenige neue Asylgesuche wie seit vielen Jahren nicht. Die Fernsehbilder sprechen eine andere Sprache: Europa versagt auf der humanitären Ebene weitgehend. Die Abschottung wird perfekter, die türkische Grenze und das Mittelmeer werden immer dichter, das Elend in Syrien, im Irak, in Afghanistan und vor allem in den libyschen Lagern ist weiterhin unerträglich, es wird gestorben im Mittelmeer wie eh und je. Es werden Zäune gebaut in den Köpfen, auf der Balkanroute und in Chiasso. Die Probleme werden geografisch verschoben. Die Welt ist nur scheinbar in Ordnung, der Migrationsdruck bleibt hoch. Und die rechtsnationalen, rassistischen Bewegungen vor allem in Osteuropa inkl. Österreich lassen wenig Hoffnung für die Zukunft. 


Kanton Graubünden


Die Unterkunftssituation ist entspannter, die Aufnahmezentren scheinen der Nachfrage zu genügen, alle unterirdischen Unterkünfte konnten wieder geschlossen werden. Und endlich ist man dran, in den Durchgangsheimen Internetzugang zu schaffen. Die Kommunikation mit ihren Familien und ihren Netzwerken ist für die Befindlichkeit unserer Flüchtlinge zentral. Viel Arbeit bleibt für das Migrationsamt und die vielen Helfer im Bereich sozialer und Arbeitsintegration. 


Unsere Chancen- und Rechtsberatungsstelle 


Mit grossem Elan und grosser Professionalität engagiert sich unsere Juristin Céline Benz-Desrochers für die Anliegen unserer KlientInnen. Ihr Bericht spricht für sich. Sie ist unter hohem Zeit- und Termindruck infolge der immer wieder einzuhaltenden Fristen. 


Finanzen


Nach ausgeglichenen Vorjahren mussten wir im 2017 einen grösseren Verlust budgetieren und einfahren. Grund sind (arbeitsbedingt) höhere Personalkosten, eine nun höhere Miete, Rückgänge bei den Spenden und eine spürbare Zurückhaltung von Stiftungen, welche infolge der niederen Zinssituation oft keine Kapitalerträge haben, die sie ausschütten können. Positiv wirkt sich der Posten „Erlös aus eigener Arbeit“ aus: Durch die professionelle Aufwertung der Stelle und Änderungen in den Verfahren bekommen wir deutlich mehr Parteientschädigungen für die Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht. Diese können wir in Zukunft auch höher budgetieren, da wir den Stand der laufenden Verfahren kennen. Im 2018 müssen wir wohl unsere eisernen Reserven (Fonds freie Mittel) anknabbern, doch wir bleiben dran und optimistisch in der Hoffnung, dass unsere treuen und vielleicht auch neue Mitglieder und Gönner uns weiterhin über Wasser halten werden. Das politische Engagement des Vorstandes für die generellen Anliegen der Flüchtlinge geschieht ehrenamtlich. Die Spenden kommen vollumfänglich dem Betrieb der Beratungsstelle zu. 


Ausblick – neu bei der Frauenzentrale Chur


Die Arbeit wird uns auch 2018 nicht ausgehen, die Not ist gross und der Beratungsbedarf ebenso, und darum machen wir weiter. Mit den neuen Bundesverfahrenszentren mit garantiertem Rechtsschutz im beschleunigten Erst-Verfahren kommen ab 2019 Änderungen auf uns zu, welche wir noch nicht kennen. Es werden Ausschreibungen kommen, an denen sich wohl das HEKS Ostschweiz für das neue Zentrum Altstätten bewerben wird. Wir prüfen eine vertragliche Zusammenarbeit mit dem HEKS für das sogenannte erweiterte Verfahren, damit wie für die dem Kanton Zugewiesenen weiterhin den Rechtsschutz garantieren können. Was das Ganze personell bedeutet, können wir heute noch nicht abschätzen. Wir befürchten eine vorübergehende Mehrbelastung. Wir werden an der GV vom 16. Mai vielleicht schon mehr Details kennen.


Nachdem die Caritas die Liegenschaft am Regierungsplatz aufgegeben hat, fanden wir eine neue Büropartnerschaft bei der Frauenzentrale Chur, wo wir uns sehr wohl fühlen. Ihre Vorgängerin Magda Burkhard hat Céline durch den stundenweisen Einsatz im Bürobereich den Rücken etwas freigehalten. Magda wird nun nach der GV ganz austreten. Die Frauenzentrale wird uns wahrscheinlich auch die Arbeiten abnehmen, die Magda bisher erledigt hat. 



Danke allen,


-die sich mit uns für Menschlichkeit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit im Asylbereich engagieren 

-den Mitgliedern und den Menschen in den Netzwerken, die uns unterstützt haben und uns weiterhin (oder neu) unterstützen, damit wir unsere Aufgaben erfüllen können

-insbesondere unseren Sockelspendern, der reformierten Landeskirche GR und dem HEKS Ostschweiz sowie den katholischen und reformierten Kirchgemeinden, der Stadt Chur 

-der Stiftung Brocki Grischun in Chur, der Stiftung Jacques Bischofberger in Chur, Dr. Stephan à Porta-Stiftung in Zürich, der Fondia-Stiftung in Bern

-allen privaten Spendern 

-der Stellenleiterin Céline Benz-Desrochers für ihr grosses Engagement, und Magda Burkhard für ihre Hintergrundarbeit im Büro

-den AnwältInnen aus HEKS St. Gallen für den Support bei Arbeitsspitzen sowie für die Ferienablösungen

-sowie meinen Kolleginnen im Vorstand für die aktive Mitarbeit für das Gelingen.  



Dr. med. Gustav Ott, Präsident des Trägervereins der Beratungsstelle.